
Leistung contra Work-Life -Balance?
15. Februar 2025 | von Kerstin Pentermann„Leistung muss sich wieder lohnen“. Diesen Satz hör ich derzeit immer wieder in den politischen Debatten.
Und – ja – zum Teil einverstanden, denn unser Sozialstaat trägt sich nur, wenn alle zahlen.
Der Begriff „Work-Life-Balance“ wird in diesem Fokus derzeit als Blödsinn abgetan – von einer „verweichlichten Yoga- Gesellschaft“ ohne Leistungsbereitschaft ist da die Rede.
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass jemand, der Yoga betreibt, alles andere als verweichlicht ist. Und: Gerade in Zeiten voller Krisen und Unsicherheiten brauchen wir doch vor allem Resilienz – und diese entsteht nicht durch ständige Überforderung, sondern durch Balance und Selbstfürsorge. Jemand, der sich um sich selbst kümmert, ist im Gleichgewicht. Damit steigert sich auch die Lebensfreude und die Bereitschaft etwas zu leisten. Das Risiko einer körperlichen oder auch seelischen Erkrankung wird damit gemindert.
Ich selbst habe eine Woche lang mit einem heftigen grippalen Infekt gekämpft. Da auch meine Familie krank war, musste ich funktionieren – der Hund will Gassi gehen, das wöchentliche Einkaufen und das Notwendigste im Haushalt mussten auch erledigt werden. Mental war ich erschöpft und bei jedem Hustenanfall wütend darauf, dass ich nicht funktionierte.
Das hat mich aber auch nicht schneller gesund gemacht. Im Endeffekt musste ich die Krankheit auskurieren – mit oder ohne Geduld.
Geduld und Achtsamkeit sind der Schlüssel zu mehr Stabilität. Wir sind nicht gleichbleibend leistungsfähig, dazu sind wir zu sehr den Gezeiten des Lebens unterworfen. Und anstatt uns auf alte Leistungsparolen zu berufen, brauchen wir neue Arbeitsmodelle, die Flexibilität ermöglichen und auch mal eine menschliche Schwäche kompensieren, ohne dass die Produktivität des Einzelnen in Frage gestellt wird. Wir müssen unser Wohlbefinden ernst nehmen. Resilienz ist eine Basis für mehr Leistung. Das beinhaltet aber auch das Wissen, wann man eine Pause braucht.
Herzlichst – Ihre Kerstin Pentermann